tetraglott
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Helmut Schulze
tetraglott
Gedichte
Paperback
März 2022

ISBN 978-3-96587-043-7
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Den Brauch, Gedichte entweder nur im Original oder zusätzlich in ihrer Übersetzung darzubieten, unterläuft der Dichter Helmut Schulze in einem Formexperiment moderner Lyrik, das seinesgleichen sucht: Denn wo verbirgt sich die Muttersprache, und wie kann leicht übersetzt werden, wenn Gedichte gleich durchweg viersprachig vorgelegt werden?

Der Lyriker Schulze – auf deutsch wie italienisch, und dies teils »hybrid«, alloglott – trat bisher hinter dem Übersetzer zurück, der mit James Joyces Chamber Music / Kammermusik (2018) und Arrigo Boitos Re Orso / König Bär (2022) zuletzt Werke mit starkem Bezug zur Musik kongenial nachgedichtet hat.

In dieser Übersetzerarbeit, auch aus dem Französischen, auch von Prosa mit häufigen fremdsprachigen Einsprengseln (Fenoglio), lag die Keimzelle der Entfaltung der Viersprachigkeit, der »Tetraglossie« für die Lyrik.

Zum letzten Anstoß dazu wurde für den Dichter ein legendäres literarisches Happening in der Wiener Buchhandlung 777 im April 2019. Vier Lyriker in vier Zungen – Raymond Prunier aus Frankreich, der US-Dichter Jordan Lee Schnee und Alban Nikolai Herbst, beide aus Berlin, sowie Schulze aus Umbrien – begegneten sich im Vierergespräch, einander im Original ihre Gedichte vortragend, flankiert von den eigenen Übersetzungen der Lyrik ihrer Kollegen. Ein vervielfältigter Vierklang, der in seinen Bann zog und auch Helmut Schulze nicht mehr losließ.

Über ein Jahr lang – von Oktober 2020 bis November 2021 – versenkte sich Helmut Schulze im heimischen Amelia in das Dichten in vier Sprachen. In den ersten vier – jeweils sechs- oder siebensilbigen – Versen wechseln die Sprachen 1–4 ab, 3–1 beschließen das Gedicht, wie hier in einer Variation von »Am Brunnen vor dem Tore«:

stund da so am brünnlin / knew that time was quite mean / jeta un coup d‘oeil dans l‘eau / un nero fatto falò / ne me garde pas à propos / the water said quite clean / zur linde mußt du geh’n

Folgt die Spielform oft einem festen Rahmen, so ist, was zur Sprache gebracht wird, desto freier: Bezugnahmen auf Literatur, Imagination, Alltag, Erinnerungen.