Als kurzzeitig berühmte, dann lange vergessene österreichisch-deutsche
Autorin der Jahrhundertwende erscheint Elsa Asenijeff (1867–1941) heute oft
als Vorreiterin der von ihr antizipierten Frauen-, Feminismus- und Genderbewegung:
eine weibliche Stimme der Lust, wie sie in ihrer Generation vielleicht
nur noch von Else Lasker-Schüler zu hören war, von der das titelgebende Zitat
über die Dichterin stammt. Die Literatur-, Kunst- und Geistesgeschichte um
1900, der Expressionismus, das geopolitische Mittel-Osteuropa vor dem Ersten
Weltkrieg, die Briefkultur, die Kunstgeschichte und der literarische Urbanismus
spiegeln sich vielfaltig gebrochen in Asenijeffs genreübergreifenden Werk wider;
Max Klingers große Marmorbüste »Elsa Asenijeff« (1900) ist nur eine
von zahlreichen Würdigungen, die Zeitgenossen ihr darbrachten. Else Lasker-
Schüler schrieb ihr am 2. Juli 1902: »Als ich gestern Deinen Kopf in der Ausstellung
sah, dachte ich, daß Dich ein Mensch außer mir empfunden hat. Er weiß, Du
hast eine Libellenseele.«
Der erste literatur- und kulturwissenschaftliche Sammelband zur seinerzeit
berühmten Leipziger Differenzfeministin widmet sich ihr daher aus einer Perspektivenpluralität heraus:
Wenngleich Impulse aus Genderforschung ein wertvolles
Paradigma bieten, so wird doch ebenso das breite literarische, philosophische,
ästhetische und künstlerische Umfeld ihres Schreibens v.a. zwischen
1895–1920 berücksichtigt, etwa ihre intensive Nietzsche-Rezeption, ihre von
gegenseitiger geistiger Befruchtung geprägte Arbeitsbeziehung mit Klinger
– so ihre Schriften zur Entstehung der Beethoven-Büste und anderer seiner
Werke –, ihr Beitrag zum Kinobuch von Kurt Pinthus (1913), ihre umfangreichen
Briefwechsel, ihre poetische Formensprache im expressionistischen Vorfeld,
ihre Haltung zum Krieg, ihre kulturelle und sprachliche Diversität zwischen
Deutschland, Österreich, Bulgarien, Frankreich, Italien sowie die Frage ihrer
Tilgung aus dem literarischen Kanon, die sie trotz ihrer literarischen Popularität
bis zum Ersten Weltkrieg und als Frau an der Seite Max Klingers nach.
250 Seiten
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