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Claire Démar gehört in eine Reihe mit Mary Wollstonecraft – aber bis auf Walter Benjamin, der einst ihren Namen vor der Versenkung rettete, ist sie bisher fast niemandem ein Begriff. Abhilfe verspricht Sylvia Kratochvils Edition von Démars frauenrechtlerischen Schriften Mein Zukunftsgesetz / Aufruf einer Frau ans Volk. Über die Emanzipation der Frau.

Die Warschauer jüdische Dichterin Tamara Karren, fand, knapp vor der der Schoah nach Jerusalem entkommen, im Alter im Londoner Exil zu ihrer literarischen Stimme – nachzulesen in »Hiobs Vermächtnis«. Die Züge gehen nach Berlin heißt die Berlin-Anthologie von Susanne Frank und Julia Koifman mit geballter literarischer Moderne unvertrauter Herkunft: Denn aus den Zügen stiegen ukrainische und jiddische Schriftsteller, die sich anschickten, die sagenumwobene Metropolis zu erkunden. Damit und mit Susanne Franks und Galina Babaks Wissenschaftsband Literatur als Kommunikation. Ukrainische Beiträge zur europäischen Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts setzen wir unsere Ukraine-Schwerpunkte fort. Einladung, die vergessene, schillernde deutsch-österreichische Autorin Elsa Asenijeff – umschwärmt von Else Lasker-Schüler, Vertreterin auch einer Leipziger Moderne – kennenzulernen, bietet der von Jan Röhnert herausgegebene Band Und Du bist Eden und Chaos, Eva und Königin …

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Andreas Petersen stellt mit Die Nathansohns Lebenswege einer Berliner jüdischen Familie vor, die gesellschaftliche Erfahrungen des 20. Jahrhunderts spiegeln. Felix Philipp Ingold widmet sich in Paris als Exil russischen und nicht-russischen Autoren, die ihre Heimat verließen, als die Revolution sie so sehr veränderte, daß sie von ihnen nur noch zwiespältig gesehen werden konnte. Der georgische Weltenbürger Iliazd, geniales Multitalent, war überall zuhause, wo seine Kunst pulsieren konnte. Er fand sich mühelos in Frankreich zurecht – und doch spiegeln seine einige seiner Gedichte – unter dem Titel Wortlos verurteilt in der Übersetzung wiederum Felix Philipp Ingolds – auch tiefe Verzweiflung, Leiden an einer lebensfeindlichen Welt. Die große Zusammenschau ihrer Lyrik Mit Augen trinke ich den Himmel rückt mit Zuzanna Ginczanka die junge polnisch-jüdische Dichterin in den Blickpunkt, die selbstbewußt und voller Tatendrang war und dann durch die Deutschen um ihre weitere literarische Entfaltung – und mit 27 Jahren gewaltsam um ihr Leben – gebracht wurde.

Gewalt der Poesie – so ist das kommende Heft unserer Zeitschrift für ungarische Kultur Drei Raben überschrieben, die sich im Herzen von Budapest ihre Unabhängigkeit und ihren rebellischen Geist bewahrt. Susanne Schädlich – mit Kabarett der Namenlosen –, Tomasz Różycki – mit Feuerprobe. Die trügerische Kartographie Europas – und Jan Röhnert – mit Wildnisarbeit – stehen vor Lesereisen und sind vielerorts zu erleben. In die heutige Ukraine führen gleich drei aktuelle Bücher: zum einen Stanisław Vincenz, der »Homer der Karpathen«, der über Jahrzehnte ein einzigartiges, zeitloses Epos aus Bergen und Wäldern in der Mitte Europas schuf. Zum anderen die beiden wichtigen Anthologien ukrainischer Literatur Ein Hauch von Grauen und verborgene Hoffnung und Dichtung der Verdammten.

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Das Jahresende 2024 und das Frühjahr 2025 bringen ein starkes Paket an Neuerscheinungen, darunter markante Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur: Jan Röhnert schreibt mit Wildnisarbeit seine Begegnungen zwischen Mensch und Landschaft poetisch fort und liefert dem deutschsprachigen Nature Writing neue Impulse. Susanne Schädlich knüpft in Kabarett der Namenlosen erzählend an einen der Schwerpunkte des Arco Verlags an: das deutschsprachige Exil. Dort, wo jetzt die kalifornische Küstenlandschaft nach Waldbränden in Flammen aufging, fanden einst die Größen der deutschen Bühne, des Films und der Literatur Zuflucht vor den Nazis – als Nobodies rund um Hollywood. Andreas Petersen widmet sich keinen Berühmtheiten, sondern zeigt in Die Nathansohns eine Berliner jüdische Familie, die in der Weimarer Republik ganz unterschiedlich an einer besseren Zukunft baut – und dann ab 1933 von den politischen Verwerfungen eingeholt, bedroht und ernüchtert wird. Ernst Sommers Werke setzen wir mit Die Sendung Thomas Müntzers fort – einem packenden Zeitbild, entstanden im Londoner Exil – dem Buch zum rebellischen Theologen Müntzer wie auch zu 500 Jahren Bauernkrieg in Mitteleuropa. Als Vorgriff zu seinem 70. Geburtstag am 7. Februar kam im Dezember Alban Nikolai Herbsts großer Roman Briefe nach Triest heraus. Mit Tomász Rózyckis Feuerprobe und ̓Stanisław Vincenz ̓ Das Taubenbuch des Baal Schem Tow erscheinen zwei herausragende Werke der polnischen Literatur, mit Aleksandăr Vutimski und Gedichte vom blauen Jungen einer der wichtigsten modernistischen Dichter Bulgariens.

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Mit Briefe nach Triest legt Alban Nikolai Herbst einen großen deutschen Gegenwartsroman vor. Und er führt virtuos hinein in die Geschichte mehrerer Lieben und die Stadt, die durch» ihre« Schreibenden wie Joyce und Svevo, Umberto Saba, Richard Burton oder Fulvia Tomizza zum Literaturort gemacht wurde. Beppe Fenoglio stammte daher, wo das gute Essen herkommt: aus dem piemontesischen Alba. Daß sein gewaltiges Partisanenepos Das Buch Johnny von italienischen Literaturwissenschaftlern kurzerhand mit Moby Dick (!) und mit dem Kampf um Troja verglichen wird, läßt erahnen, daß es sich um ein außergewöhnliches Stück Weltliteratur handelt.

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Es gab in den bald 25 Jahren unseres Bestehens viele Abschiede von Autorinnen und Autoren, von Weggefährten – von unserem ersten Autor Fritz Beer, mit 94 Jahren, von Marga Minco, mit 103 Jahren, von Ludvík Kundera und Tomáš Radil, von Armin A. Wallas und Dieter Sudhoff. Alle haben ihren festen Platz in unserem Verlag, mit allen fühlen wir uns weiter verbunden. Tod und Sterben begleiten uns, zumal viele unsere Autoren und Autorinnen zu den Überlebenden der Generation gehören, die während der dreißiger und vierziger Jahre verfolgt wurde. Wir waren nie darauf gefaßt, daß der Tod sobald auch unseren Verlag, meine eigene Familie, unmittelbar treffen würde. Der Tod meines Bruder Markus Haacker, mit dem ich den Verlag zuletzt alleine geführt habe, hinterläßt eine schmerzliche Lücke, die immer wieder nach Worten sucht.

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