Literatur als Kommunikation

Dieser Band bietet erstmals eine Auswahl der maßgeblichen Texte ukrainischer Literaturtheorie seit ihren Anfängen im späten 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – und zwar sowohl im Original als auch in deutscher Übersetzung.

Am Anfang steht ein Text des Charkiver Philologen Oleksandr Potebnja, der auch

Ideengeber des russischen Formalismus war. Der zweisprachige Band mit Beitragen

u.a. von Oleksandr Bilec’kyj (1884–1961), Jeremija Ajzenštok (1900–1980),

Pavlo Fylypovyč (1891–1937), Boris Jakubs’kyj (1889–1944), Majk Johansen

(1895–1937) und Mykola Zerov (1890–1937) sowie einem wissenschaftlichen Kommentarapparat orientiert sich am Standardwerk »Texte der russischen Formalisten«

(1968/1971) und soll ebenso über die disziplinaren Grenzen der Slawistik hinaus

als Grundlagenkompendium dienen.

In historischer Perspektive zeigen die Aufsätze und Essays die enge Verflechtung

zwischen ukrainischen und russischen literaturtheoretischen Entwicklungen

in den frühen Jahren der Sowjetunion. Die ukrainischen Theoretiker, die in

den 1920er Jahren die literaturtheoretischen Debatten prägten, setzten sich

kritisch und inhaltlich eng sowohl mit dem russischen Formalismus als auch

mit der marxistischen Literaturtheorie auseinander. Ihre Beiträge zeichnen sich

durch literatursoziologische und rezeptionsästhetische Fragestellungen aus,

die für die damalige Theorieentwicklung einzigartig sind. Spezifisch ist auch die

Suche nach adäquaten Modellen einer nationalen Literaturgeschichte. Viele ukrainische

Positionen der 1920er Jahre unterstutzen das politische Literaturverständnis

im Kontext des sowjetischen Projekts, einige – wie Majk Johansen – ironisieren

den didaktischen Literaturbegriff jedoch ganz offen. Nicht nur Johansen,

sondern acht der insgesamt dreizehn in diesem Band vorgestellten Literaturwissenschaftler

des frühen 20. Jahrhunderts waren unter Stalin von Repressionen

betroffen, die meisten von ihnen wurden 1937 hingerichtet. Dmytro Čyževs`kyj

überlebte im deutschen Exil und wurde zum Ideengeber der deutschen Slawistik

des späteren 20. Jahrhunderts. Die programmatische Verbindung des

formalistischen mit dem soziologischen Ansatz scheint heute im Kontext der

praxeologischen Wende in der Literaturwissenschaft wieder besonders aktuell.

36,– € [D]/ SFr. 39,– [CH]
Galina Babak (Hg.), Susanne Frank (Hg.)
Literatur als Kommunikation
Ukrainische Beiträge zur europäischen Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts

400 Seiten, Zweisprachige Ausgabe: Ukrainisch/Russisch - Deutsch. Die Übersetzung dieser Textsammlung wurde im Rahmen eines Masterseminars mit Studierenden begonnen und von Susanne Frank, Oksana Stoychuk, Lukas Joura und Yelizaveta Landenberger fertiggestellt.
noch nicht erschienen

ISBN 978-3-96587-077-2
ersch. 29 Mai 2026

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